„Das fällt aber eher italienisch aus!“ oder – Warum die Kleidergröße nicht deinen Körper definiert!

Shopping kann so wunderbar sein. Mit Freunden oder alleine, auf der Suche nach etwas bestimmten oder einfach nur stöbern. Genau wie nach einem anstrengenden Workout, fühlen wir uns nach einem erfolgreichen Einkaufstrip euphorisiert und glücklich. Leider stellen sich diesem Erfolgserlebnis allerdings immer kleine Hindernisse in den Weg, die Kleidergrößen!

Nein, ich rede nicht davon, dass man letztens Jahr noch ganz sportlich in eine 36 reingepasst hat und heute schon die 38 in der Hüfte zwickt, das ist ein anderes Problemchen. Viel mehr sind es die Größenangaben selbst, die wir in den eingenähten Etiketten finden. Egal ob Oberteile, Hosen, Kleider, Unterwäsche – überall gibt es bestimmte Größenangaben die es uns leichter machen, die für uns richtige Größe und Passform zu finden. Naja, zumindest in der Theorie.

Ich trage eigentlich eine 44, manchmal auch eine 46 und ganz selten mal eine 42. Es variiert je nachdem wie ein Teil ausfällt und wie ich die Plätzchen vom Winter abtrainiere. Es sind kleine Sprünge von jeweils einer Größe, also Alles in Allem recht gut nachvollziehbar. Doch oft hängen in den Geschäften eher die internationalen Größen aus, die mit den Buchstaben XS, S, M, L usw. ausgeschrieben werden.
Es ist jetzt keine Wissenschaft welche Größe so ungefähr bei 1,82m Körpergröße und einem Genießerbäuchlein auf mich passt. Ich greife bei H&M DIVIDED meistens gleich zu XL wenn ich diese Angabe sehe und in den meisten Fällen passt es. Schlender ich dann aber weiter Richtung C&A habe ich schon ein Problem – die XL der Clockhouse Kollektion ist viel zu groß. Auf einmal sind die Schultern zu weit, der Bund vom Oberteil hängt da wie Sack und der Bleistiftrock rutscht abwärts. Na gut, soll mir Recht sein, dann eben L! Voilà, schon passt es. Stärkt ja auch irgendwie das Selbstvertrauen, wenn man plötzlich eine Größe weniger hat.

Wenn ich schon mal in der Nähe bin kann ich ja auch einen Blick bei Pimkie riskieren. Da war ich schon lange nicht mehr, denn mit 44/46 ist das eigentlich nicht so mein Laden. Aber hey, ich hatte ja gerade eine L, da wird sich schon was finden. PUSTEKUCHEN! Ich habe keine Ahnung ob die Teile da erst durch einen Riesentrockner müssen aber mit XL hat das, was ich in Pimkie finde, nichts zu tun. XL heißt doch „extra large“, oder nicht?  Wie kann es dann sein, dass das Longshirt fast bauchfrei wird und die Lederjacke gleich aufreißen will, als wäre ich der Hulk?

Ich habe also drei Läden, die mir ihre Teile in XL anbieten. Einmal zu groß, einmal zu klein und einmal passend. Dann kann man sich den blöden Einnäher auch gleich sparen, wenn das sowieso Käse ist was da drin steht!

Nach so viel Verwirrung braucht man Urlaub. Und was könnte schöner sein, als sich tagsüber in der Sonne Italiens zu aalen und abends vielleicht über die Promenade zu schlendern. Die Geschäfte da haben ja ab und an auch ganz niedliche Sachen hängen. Ich mache es kurz: Gegen eine italienische XL wirkt die extra large von Pimkie XL noch wie „oversized boyfriend look“. Die Italienerinnen sind an sich etwas kleiner. Statt aber dann einfach mehr Klamotten mit kleinerer Größe anzubieten, hat man einfach die Größen in den Etiketten neu interpretiert. Eine deutsche 40 ist nun also eine italienische 42. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?!

Hat sich da niemand was dabei gedacht? Eigentlich schon, also früher jedenfalls mal. In Deutschland und der EU ist ja alles irgendwie genormt. Wie krumm darf meine Banane sein, wie hell die LED in meinem Laserpointer und wie oft darf mein Nachbar auf dem Balkon grillen. Auch die Konfektionsgrößen wurden in einer Norm zusammengefasst. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Größen entsprechend der europäischen Norm EN 13402.

Normalgröße Damen bis 170cm Langgröße Damen ab 170cm Internationale Größe
32 64 XS
34 68
36 72 S
38 76
40 80 M
42 84
44 88 L
46 92

 

Wem fällt es auf? RICHTIG! Clockhouse von C&A macht alles soweit richtig und ich bin somit ganz offiziell nur groß und nicht extragroß, harhar! Und noch etwas fällt auf bei der Tabelle. Eigentlich müsste ich mit meinen 1,82m die sogenannten Langgrößen tragen. Aber habt ihr schon mal eine 88 in H&M oder C&A gesehen? Die größte Normalgröße ist die 62  und entspricht einer XXXL. Die 64 ist aber wieder eine XS. Ich glaube kein Germany’s Next Top Model von Heidi Klum hat je gesagt „Also ich trage eine 64!“.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist wieso alle Hersteller, und dann auch noch von Land zu Land, das Rad immer neu erfinden? Wäre es nicht viel komfortabler für alle, wenn sich alle an die Norm halten und alle einfach die Teile blind nach Größe greifen könnten und wüssten, dass es passt? Aber sehen wir es ein. Alles rum lamentieren und meckern wird so schnell an diesem Zustand nichts ändern. Wir werden also auch in Zukunft mit etwa einem Dutzend Teile in die Umkleide wackeln und unsere Freundin bitten „Oh, holst du mir das noch eine Nummer kleiner, bitte?“. Und ja, es macht irgendwie auch Spaß, quasi ein kleines Abenteuer, eine Challenge des Alltags, die man bewältigt und dann das gute Gefühl eines neuen Tops, Pullis oder Rocks genießt.

Es ist ja sowie egal, was im Etikett steht. Wichtig ist nur, dass das Teil am Ende passt und ich mir darin gefalle. Ob S, XL, 34, L, 72, drölf – nichts davon ist wirklich wichtig. Denn nicht die Kleidergröße entscheidet wer ich bin und wie ich mich zu fühlen habe sondern ich ganz allein und das was ich trage ist Ausdruck meiner selbst!

Was sind eure Erfahrungen mit den Größenangaben? Ärgern sie euch auch oder steht ihr drüber?

Bildquellen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.