„Angriff der 20 Meter Frau!“ oder – Wie es ist als große Frau High Heels zu tragen

Es gibt so einige Dinge im Leben einer Frau, die sie zwischen Glücksgefühlen und Verzweiflung hin und her pendeln lassen. Das kann beispielsweise die Tafel Schokolade sein, die zwar himmlisch schmeckt aber uns au
ch wieder ein Hüftpölsterchen mehr beschert. Oder Make Up! Es hilft uns Stärken zu betonen und Schwächen zu kaschieren. Aber das Auftragen vor dem Ausgehen und erst recht das Abschminken am Abend, obwohl man eigentlich nur ins Bett will, nerven manchmal einfach nur.

Eine andere Hassliebe sind High Heels. Kaum ein Schuh ist mehr mit Weiblichkeit verknüpft als der klassische Pumps. Durch die hohen Absätze wirken die Füße kleiner, die Waden schlanker und der Gang wird elegant und feminin – naja, zumindest nach etwas Übung. Ein weiterer Effekt dieser Fußbekleidung ist die Größe. Auf einmal ist man 3, 5 oder sogar 10cm größer und die Welt sieht ganz anders aus. Das kann gut oder schlecht sein, denn die Welt schaut auch zurück!

Bei einer Frau mit 1,60m Körpergröße sind selbst 10cm Stilettos kein Problem. Selbst mit 1,70m ist das plötzliche Wachstum noch verkraftbar. Aber was wenn man sowieso schon über der „magischen Grenze“ von 1,80m liegt?


So viele große Frauen scheuen hohe Schuhe – aus Scham. Aber warum schämen sich Frauen dafür groß zu sein? Das liegt, wie so oft, an gewachsenen kulturellen und gesellschaftlichen Dogmen.

„Die Frau muss kleiner sein als der Mann!“

Das wird allen schon von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben. Meistens klappt das ja auch aber wieso MUSS das sein? Ist die Größe so entscheidend darüber wie wir  und unsere Umwelt uns zu fühlen haben? Und wenn ich mit über 1,80m einen 10cm kleineren Partner habe, muss er sich deswegen mies fühlen? Oder ich? Oder wir beide? Ich verstehe nicht, wieso wir so viel Wert darauf legen, dass alles irgendwie einer gewissen „Norm“ entspricht. Jeder Mensch wächst so wie er oder sie eben wächst. Es  ist ja nicht so, dass man sich irgendwann pro-aktiv dafür entscheidet zu wachsen, man tut es einfach.

Ich kenne inzwischen so einige großgewachsene Damen. Ich selbst bin mit 1,82m klar über dem Durchschnitt. Einige meiner Freundinnen legen da aber noch eine Schippe drauf. Eine Bekannte von mir ist mit 1,88m bisher Spitzenreiterin. Die Diskussion und die Frage nach der Größe nervt sie, trotzdem habe ich sie einfach nach ein paar Wochen gestellt. Und irgendwie ist es wie bei allen anderen großen Frauen auch – diese Frage kommt, sie wird immer wieder gestellt und sie nervt!

Eine Freundin erzählte mir neulich folgendes: Der Spurch „Oh mein Gott, bist du groß!“ kommt schon so oft genug. Multipliziert, wenn ich mich mal getraut habe abends beim Ausgehen hohe Schuhe anzuziehen. Die Reaktionen reichten von erschrockenem Anstarren, irritierten Blicken, einem abfälligen „musst du noch hohe Schuhe tragen, wenn du schon so groß bist?!“, hin dazu, dass sich Männer vermeintlich unbemerkt hinter mich stellten um zu sehen um viel ich sie überrage. In der Regel kleine Männer. Das war teilweise so verletzend, dass ich mich im Alter zwischen 16 und 18 kaum noch getraut habe hohe Schuhe zu tragen. Mit Anfang 20 sagte mir ein Mann „Wow, bist du toll groß!“ Das tat gut! Er war selbst auch über 1,90 also wusste er, wovon er sprach.

Da seht ihr es. Ab einer gewissen Größe ist man als Frau eine Zielscheibe für verurteilende und fragende Blicke. Und Männer machen einen Bogen um einen, es sei denn es handelt sich bei ihnen selbst um einen Hünen von +2m. Es kann Jahre dauern um genug Selbstvertrauen aufzubauen um da einfach drüber zu stehen. Aber seien wir ehrlich, viele großgewachsene Frauen trauen sich nicht über diese ungeschriebene Regel hinwegzusetzen und greifen lieber auf  flache Sneaker und Ballerinas zurück. Ich habe in meinem Schrank sowohl flache als auch hohe Schuhe. Ja und? Dann bin ich eben mit meinen schwarzen, 10cm hohen Lackpumps auffällig. Mir kann es kaum egaler sein, was die Leute denken. Ich darf mich genauso aufbrezeln und wohl fühlen wie kleinere Damen. Ich darf das Gefühl von High Heels auch genießen und am Ende drüber meckern, wenn ich im Kopfsteinpflaster hängen bleibe, wie alle anderen auch!

Allgemein scheinen wir mit der Körpergröße mehr Werte zu verbinden als einfach nur Äußerlichkeiten. Kaum ist man etwas größer gilt man quasi als Amazone. Aber will ich das? Laut Wikipedia sind Amazonen „mannähnlich“ im Kampf. Nicht gerade das, was ich als Softskill in meinen Lebenslauf schreiben möchte. Gleichzeitig lese ich dadurch raus, dass ich mit meiner Größe nicht „schwach“, also mich auch mal festhalten und drücken lassen darf. Stattdessen lastet irgendwie der Druck auf einem immer tough sein zu müssen.  Ist also eine große Frau in den Augen der Allgemeinheit gleich unweiblich oder ist das nur Kopfkino?

Wie seht ihr das? Sollten große Frauen hohe Schuhe meiden? Seid ihr vielleicht selbst hochgewachsen und traut euch nicht an die hohen Hacken ran? Schreibt es in die Kommentare 🙂

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