Emma Watson, ihre Brüste und der Feminismus im 21. Jahrhundert

Die bekannte und beliebte Schauspielerin Emma Watson hat Anfang Februar für die Zeitschrift Vanity Fair ein freizügiges Fotoshooting aufgenommen. Nun sieht sie sich Angriffen von allen möglichen Seiten ausgesetzt. Dass man mit einigen Kritikern rechnen muss, wenn man sich etwas freizügig ablichtet, ist anzunehmen. Die Hauptkritik kommt aber aus dem „eigenen Lager“, den Feminist*innen.

Emma Watson ist nicht nur Schauspielerin. Sie ist UN-Sonderbotschafterin für Frauen- und Mädchenrechte, sie ist Begründerin der Bewegung „HeForShe“, die Jungen und Männer ermutigt, sich für Frauenrechte stark zu machen und einzusetzen. Sie nahm an der „One Young World“ in Kanada teil, einer Veranstaltung, die sich für Umweltschutz, Frauen- und Menschenrechte sowie Gleichberechtigung einsetzt. Im Januar 2017 nahm sie am Women’s March on Washington teil. Man kann also sagen Emma Watson ist überzeugte Feministin.

Wie kann es nun sein, dass gerade diese Frau von anderen Frauen und auch Feminist*innen so scharf kritisiert wird? Die Londoner Radiomoderatorin twitterte direkt:

Zu deutsch:

„Feminismus, Feminismus… Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern… oh warum nur werde ich nicht ernst genommen… Feminismus… oh, und hier sind meine Titten!

Dieses Statement wurde tausendfach geteilt und fand, leider, großen Anklang. Viele Sprangen auf den Zug auf und urteilten, dass eine seriöse Feministin ihre Brüste nicht zeigen darf. Und genau da sind wir beim Kern der Diskussion. Der Feminismus sagt niemals, was eine Frau nicht kann und nicht darf. Eine Frau ist die einzige, die über ihren Körper zu entscheiden hat. Niemand hat ihr vorzuschreiben was sie tragen darf oder was sie verhüllen muss.

Emma Watson, nicht auf den Mund gefallen, hat die Kritik in einem Interview mit Reuters gekontert.

It just always reveals to me how many misconceptions and what a misunderstanding there is about what feminism is. Feminism is about giving women choice. Feminism is not a stick with which to beat other women with. It’s about freedom, it’s about liberation, it’s about equality. I really don’t know what my tits have to do with it. It’s very confusing.

Und da kann ich ihr nur Recht geben. Ihre Brüste sagen nichts über ihre Werte und Aktionen aus. Es geht nicht darum, welche Frau „feministischer“ ist als die andere oder anderen Frauen zu sagen was sie zu tun und zu lassen haben. Der Feminismus gibt uns allen eine Wahl. Wir selbst entscheiden, was wir tun und was nicht. Es ist als würden wir wieder öffentlich über die Länge von Röcken diskutieren und ob es sich für junge Damen ziemt ohne männliche Begleitung nach 20 Uhr draußen zu sein.

Meine Güte wir sind im 21. Jahrhundert! Müssten wir nicht schon lange an dem Punkt sein an dem jede Frau einer anderen alles gönnt? Sind wir denn wirklich noch keinen Schritt weiter?

Not everything a feminist does is a feminist act.

Diese Worte schrieb Andi Zeisler in einem ihrer Beiträge auf salon.com. Das heißt, nur weil Emma Watson sich für die Vanity Fair „auszog“, beeinflusst das nicht ihre feministische Integrität. Ich selbst höre Taylor Swift, die ja gern die klassische Lovestory zwischen Mann und Frau besingt und auch Frauen manchmal als Klischee darstellt. Aber auch das macht mich nicht weniger feministisch. Die Länge meiner Kleider? Meine Sache! Anders herum funktioniert das ebenso. Nur weil ich mir eventuell die Haare abrasiere und dafür mein Achselhaar wachsen lasse, macht mich das noch nicht zu einer tollen Feministin (bitte entschuldigt das üble Klischee).

Liebe Frauen, liebe Männer, wir alle müssen an einem Strang ziehen damit Gleichberechtigung funktioniert. Niemand sollte über den oder die gegenüber urteilen und seine bzw. ihre Werte anhand des Äußeren feststellen. Manchmal sind unsere Worte und Überzeugungen eben doch stärker als manche Tat.

Wie seht ihr das? Ist ein solcher Shoot ein Faustschlag in den Magen des Feminismus oder seid ihr der Auffassung, dass eine Frau tun und lassen kann was sie will und trotzdem ernst genommen werden muss?

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