„Ich nippel ab!“ oder warum Brustwarzen die Vorboten des Teufels sind

„Ist dir kalt?“ fragt Kevin die Chantal im Schwimmbad. Echauffiert schaut sie auf ihr Bikinioberteil und bedeckt es mit ihren Armen. Bei (sehr dämlichen) Fragen wie dieser, weiß Frau sofort was gemeint ist. Die Nippel sind steif. Das passiert Männern genau so, aber deren Nippel sind ja ganz anders. Naja, zumindest fast. Mutter Natur denkt sich bis zum dritten Monat, dass der Bauplan für Babies im Mutterleib ruhig identisch sein kann, das inkludiert auch Brustwarzen. Für Frauen sinnvoll, falls sie mal stillen wollen, für Männer eigentlich nur da damit sie am Strand nicht so komisch in Badehosen aussehen.

Ich habe für diesen Beitrag ein Bild einer weiblichen Brust gewählt, die ebenfalls eine prominente Brustwarze hat. Ich finde es nicht schlimm, denn seien wir ehrlich, ein Nippel stößt doch keine Gesellschaft ins Chaos. Gut, Instagram widerspricht mir da jetzt bestimmt, denn in den USA sind die weiblichen Brüste so stark übersexualisiert, dass jegliche Darstellung schon mit Erotik oder Pornografie in Verbindung gebracht wird. Ihr wollt ein Bild von euch am Strand hochladen? Dann passt bitte auf, dass eure Brustwarzen grade nicht durch den Bikini pieken, denn Instagram löscht auch dann Bilder, wenn Nippel sich nur erahnen lassen. Also, nur die von Frauen natürlich! Männer, das haben wir ja geklärt, dürfen das.

Ja, aber die weibliche Brust ist ja auch ein sekundäres Geschlechtsmerkmal!

Das ist der Bart bei Männern auch. Wie viele Vollbärte ich jeden Tag bei Instagram und Facebook sehe, kann ich kaum zählen (will ich auch nicht). Aber es bleiben zweierlei Maß, mit denen gemessen wird. Der coole Typ, der sich so darstellen darf wie er möchte, und die Frau, die sich lieber nur, eingerollt wie ein Burrito, ablichten lässt.

Vor einigen Jahren landeten Janet Jackson und Justin Timberlake einen gewollten Skandal, indem Justin der Janet das Körbchen vom Bustier riss – nein wie originell und schockierend. Ja ok, die Amis ticken da anders, doch hier in Deutschland hat die Aktion nur müdes Achselzucken hervorgerufen.

Europa an sich ist ja sexuell viel liberaler und lange nicht so verklemmt wie unsere Freunde jenseits des Atlantik. In deutschen Geschäften sieht man sogar oft Schaufensterpuppen mit harten Nippeln. Wären das in den USA dann schon wieder Lovedolls? Dürfen minderjährige Amerikaner hier nicht mehr in den C&A? Ich schweife ab, zurück zu den Geschäften!

Anfangs habe ich mich gefragt was das soll. Braucht eine Puppe unbedingt Brustwarzen und wenn ja, wieso steife? Inzwischen finde ich das gar nicht so unpraktisch denn so kann ich schon mal sehen, wie der Stoff sich verhält. Ich gebe zu, ich finde es auch nervig, wenn (sogar trotz BH) die Nippel durch das Oberteil sichtbar sind. Ich kann die Arme verschränken, sehe dann aber gleich irgendwie bockig aus. Oder ich trage extra dicke wattierte BHs, die bei 25°C und mehr nicht wirklich witzig sind.

Und da seht ihr nun mein Dilemma. Auf der einen Seite sage ich „Nippel sind doch nicht schlimm, wozu verstecken?“ und im nächsten Atemzug sage ich, dass es mich nervt, wenn sie sichtbar sind. Klingt widersprüchlich? Ist es auch irgendwie. Aber kein Wunder, solange es Menschen wie Kevin gibt, die Frauen ein Schamgefühl wegen etwas völlig Normalem geben.

 

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